Berliner Autorentheater geplant

In Berlin steht die Gründung eines Autorentheaters an. Und zwar für Berliner Autoren.

Berlin ist sowieso der Nabel der literarischen Welt. Wer will das ernsthaft bestreiten? Deshalb ziehe, wer Theaterautor, aber kein Berliner ist (sondern beispielsweise noch Frankfurter), bitte hurtigst nach Berlin. Genaueres dazu hoffentlich beim nächsten “DramaTisch” am 12.2.09. Hier eine Einladung in die Hauptstadt der Dramatik, die uns die “Battle-Autoren” schicken: “Liebe Kollegen, liebe Theaterfreunde, es gab bereits verschiedene Ansätze, ein Berliner Autorentheater zu gründen. Diese Versuche sind nicht so sehr wegen mangelnder politischer Unterstützung gescheitert, sondern weil die Autoren sich uneinig waren. Wir halten es für wichtig, dieses Projekt ohne egoistische Ambitionen anzugehen. Es geht nicht um ein Theater für uns, sondern um ein Theater für Berliner Dramatiker, am Ende überhaupt für Berliner Autoren. Die Vision ist ein Ort, wo Autoren sich begegnen und man Autoren begegnen kann.

Wir laden euch alle zur Mitarbeit ein. Es gibt einen DramaTisch, wo wir über Texte und Organisationsform sprechen. (Das nächste Mal am Donnerstag, den 12.2. um 19.30 Uhr in der Danziger Straße 50.)

Eine Station auf dem Weg zum Autorentheater sind die DramaTischTage 09. Wir suchen noch Texte für die (insgesamt fünf) Lesungen. Der Autor sollte Berliner sein bzw. in Berlin wohnen. Die Texte sollten ihre Uraufführung hinter sich haben, aber in Berlin noch nicht zu sehen gewesen sein. Wir haben bereits eine Förderung der DramaTischTage 09 zugesagt bekommen.

Texte am besten elektronisch an diese Adresse senden: battle-autor@gmx.net

Hier noch ein wenig von unserer Antragslyrik:
(…) Wir meinen, es gibt eine Vielzahl von bedeutenden zeitgenössischen Stücken, die in Berlin nicht zu sehen sind. Uns ist dabei nicht wichtig, ob sie bereits ein paar Jahre alt sind und ob die überregionale Kritik sie vielleicht bereits besprochen hat. Damit unterscheiden sich unsere Kriterien von allen großen Berliner Theatern, die sich fast ausnahmslos mit Uraufführungen profilieren wollen. Unser Ziel ist es, der zeitgenössischen Dramatik in Berlin ein anderes Gesicht zu geben und ein Theater zu gründen, in dem der Autor gleichberechtigt ist und die Auseinandersetzung mit dem Text im Mittelpunkt steht. Dazu planen wir zunächst eine Reihe von Lesungen. Die DramaTischTage’09 werden außerdem 30 Berliner Dramatikern Gelegenheit geben, ihre Stellung als Autoren in dieser Stadt darzustellen. (Hierzu laden wir nochmal gesondert ein. Formen wie Performances, Kurzfilm, Lesungen oder etwas ganz anderes wären hier möglich.)

Zu den fünf Stücklesungen finden wieder Publikumsgespräche und zum Abschluß eine prominent besetzte Podiumsdiskussion statt.
Herzlichen Gruß!

Rolf Kemnitzer, Katharina Schlender und Andreas Sauter

PS: Wer am 12. zum DramaTisch kommen mag, dem schicken wir gern die zwei Texte zu, über die wir dann sprechen wollen. Kurze Rückmeldung genügt.”

4 Reaktionen zu “Berliner Autorentheater geplant”

  1. ynn

    Ich sitze gerade in meiner neuen Wohnung beim ersten Kaffee. Erst vor zwei Wochen habe ich dem literarischen Nabel der Welt Adieu gesagt und mich in die Provinz verzogen. Zugegeben nicht ganz freiwillig dort hin, aber sehr gern weg aus Berlin. Nach den Stationen Hamburg und Barcelona konnte mich die Stadt nicht überzeugen.

    Nun ist es wohl der Größe der Stadt geschuldet – Wer überblickt sie schon? -, dass der Horizont nicht über die Mauer des Rands hinaus reicht, doch Berlin und dann nichts mehr? – Das klingt sehr nach einem Aufruf zum provinziellem Gleichschritt. Frankfurt ist doch schön, warum nicht dort bleiben und ein Forum für zeitgenössische Dramatik schaffen?

  2. Katharina Schlender

    Werte/r ynn,

    wenn es nicht gerade Frankfurt Oder ist, wo es Sie hin verschlagen hat, könnten Sie ja vielleicht dem -Frankfurter Autorentheater- am Main einen Besuch abstatten.

  3. RK

    Das Frankfurter Autorentheater beschränkt sich übrigens auf Texte von Autoren mit Frankfurt-Bezug. Das hat nichts mit Provinzialität zu tun, sondern mit einer Besinnung auf eine Stärke des Theaters: Theater ist an einen Ort gebunden und damit immer “provinziell”.

  4. Lady Lilly de Winter

    Oh, und dann gibt es so wunderbare Geschichten wie in Konstanz, wo ein Intendant eine Russen-Spielzeit wagt … . Theater für die Stadt zu machen heißt m.E. nicht, in der Wahl der Autoren und ihrer Themen aufs Regionale beschränkt zu bleiben. Ich weiß, ich weiß, man hört dieses Argument immer wieder … wir machen Theater für die Stadt. Vielleicht ist das einfach nicht mehr zeitgemäß. Unser Interesse für andere Kulturen beginnt doch auch nicht erst im Urlaub, wenn wir die Stadtgrenze physisch verlassen … .

Einen Kommentar schreiben