DramaTischTage – Zwischenbilanz

Die Berliner Autoreninitiative “battle-autor” um Katharina Schlender, Andreas Sauter und Rolf Kemnitzer zieht eine durchweg positive Bilanz des ersten Wochenendes mit Lesungen neuer Dramatik (12.-14.12.2008).

Wir dokumentieren die Meldung der Initiative (in der leider unerwähnt bleibt, warum ein Lesungstisch von einem anwesenden britischen Autor zertrümmert wurde):

“Die 1. DramaTischTage – ein Resümee

„Gegen den Frischfleischwahn“ titelte Spiegel-Online seinen Vorbericht. Auch das Berliner Info-Radio berichtet von der Autorenveranstaltung im soeben abgewickelten Berliner Orphtheater. Feuilleton und Fachpresse dagegen rufen an und fragen erst einmal, ob es bei uns Uraufführungen oder Urlesungen gebe. Unsere Antwort: „Eigentlich nicht! – Hallo? Schon aufgelegt? Hallo! Wir präsentieren fünf gute Stücke, die Berlin verdient hätte, aber auf die Berlin bisher verzichten mußte. ‚Zugluft’ von Claudius Lünstedt, ‚Weltuntergang Berlin I und II’ von Lothar Trolle, ‚Schrottengel’ von Petr Zelenka, ‚Lenz’ von Katharina Gericke, und ‚Herr Ritter von der traurigen Gestalt’ von Soeren Voima. Wir wollen daran erinnern, daß der Autor der Autor des Abends ist und nicht der Regisseur der Autor des Abends. Der Regisseur ist der Regisseur. Verstehen Sie? Wieso haben Sie aufgelegt? Hallo, hallo! Wir machen nur darauf aufmerksam, daß der Text eines Autors im Zentrum stehen sollte, wenn man sich schon für einen Autor entscheidet. Aber verschonen Sie uns bitte vor der verblödeten Diskussion um Texttreue. Sonst machen wir das Telefon kaputt. Sagen Sie auch mal was. Aber wie Sie wollen! Wir Autoren organisieren diese Lesungen, nicht für die interne Theaterszene, sondern für das Publikum.“

Und das Publikum strömt: Drei Tage lang ist das Theater voll, obwohl „nur“ Lesungen geboten werden. Alle Beteiligten arbeiten mehr oder weniger umsonst. Es herrscht Aufbruchstimmung, auch wenn kaum einem klar ist, wohin es gehen kann. „Wie soll das Berliner Autorentheater aussehen?“ Ein englischer Dramatiker wurde eingeladen, der doch wissen müßte, wie man interessanteres Autorentheater macht. Er äußert sich abfällig über die deutsche Dramatik und unterbricht dann eine Diskussion, indem er den Podiumstisch mit einem Vorschlaghammer zerkleinert – zur Freude des Publikums.

Ein einflußreicher Beobachter flüstert uns während des Abschluß-„ManiFESTs“ zu, daß wir die Dramaturgen auf unserer Seite brauchen und etwas später sagt er noch leiser: „Ich sehe mir fast jeden Abend etwas im Theater an und das ist nicht einfach.“ Sein Blick ist ernst, fast schmerzvoll.

Bei uns bekommt er Slivowitz und eine gute Idee: Die Idee des Berliner Autorentheaters. Sie ist ziemlich schwammig und gerade deshalb so gut!

PS: Die 2. DramaTischTage finden im nächsten Sommer statt. Und wenn jemand Texte vorschlagen möchte: von lebenden Autoren, schon uraufgeführt, aber in Berlin noch nicht zu sehen, dann bitte an: battle-autor@gmx.net.”

2 Reaktionen zu “DramaTischTage – Zwischenbilanz”

  1. RK

    Warum hat der englische Dramatiker den Tisch der Podiumsdiskussion mit einem Vorschlaghammer zerstört?
    Weil genug geredet wurde. Reden und Handeln sollten miteinander Umgang pflegen. Wenn man sich die Podiumsdiskussionen und sonstigen Foren zur Neuen Dramatik landauf, landab anhört, hat man das Gefühl, da wird nur ein Hintergrundrauschen produziert. Deshalb beteiligen wir uns auch nicht mehr an den Blogs, von schwachen Momenten wie diesem abgesehen. Es ist alles gesagt. Allen ist klar, was los ist und alle wurschteln weiter. Es gibt kein Erkenntnisdefizit, sondern ein Handlungsdefizit. Unsere Mittel sind klein, aber wir haben einen großen Hammer, immerhin!

  2. martin baucks

    …mein lieber rolf, noch lange ist nicht alles gesagt. nur ihr seid offensichtlich an einem endpunkt angelangt. schade. ich hätte euch mehr zugetraut.

    wo hängt es denn ?

    martin baucks

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