Rausgeschmissenes Geld?

Der Theaterkritiker Martin Linzer hat sich in einer TdZ-Polemik zur Autoreninitiative “DramaTisch” und zu Autorenförderungsprojekten geäußert

(fk) In Heft 10/08 von “Theater der Zeit” kommentiert Linzer die aus seiner Sicht gleichermaßen “rührenden” wie “sinnlosen” Aktivitäten der Autorengruppe “BattleAutor”, deren Initiativen dramablog seit etwa einem Jahr dokumentiert. Uraufführungswahn, mangelndes Nachinszenieren, zu geringe Tantiemen – das sei alles auch schon zu DDR-Zeiten diskutiert worden, letztlich ohne Erfolg. Linzer sieht das eigentliche Problem der Autoren in der mangelnden Qualität ihrer Stücke, nicht in der fehlenden Qualität der Beziehungen zwischen Theatern und Autoren. Dieser Aspekt werde in der aktuellen Diskussion vorsätzlich vernachlässigt. An den engagierten Theaterleuten liege es nicht, dass nur wenige neue Stücke dauerhaft in die Repertoires gelangen. Linzer beklagt einen Paradigmenwechsel in der Theaterlandschaft, Theater entwickelten sich immer mehr zu “Dienstleistungsbetrieben”. Der Fehler der BattleAutoren bestehe nun darin, dass sie sich dem Dienstleistungsdenken willig unterwürfen. Dabei sei Theaterautor kein Beruf, eher eine Berufung. “Ich meine, dass all die gutgemeinten Förderinstrumente wie Schreibschulen, Autoren-Workshops, Stückemärkte und Wettbewerbe, Stipendien, Förderpreise wenig bringen. Den Theatern nicht die Stücke, den Autoren nicht die Erfahrungen, die sie wirklich bräuchten. Rausgeschmissenes Geld”, so Linzer. Das Geld solle vielmehr den Theatern gegeben werden, die sich ernsthaft für neue Stücke interessierten. “Dramaturgen an die Macht”, fordet Linzer, sie seien die eigentlichen “Trüffelschweine” der Neuen Dramatik.

(www.theaterderzeit.de)

4 Reaktionen zu “Rausgeschmissenes Geld?”

  1. fk

    “es gibt in deutschland mehr preise als schriftsteller”, klagte bereits ende april 2008 der faz-kritiker oliver jungen und fragt sich und uns rhetorisch, warum unter den seiner ansicht nach “paradiesischen umständen” für autoren die literatur keine ungekannte blüte erlebe.

    “Warum im Gegenteil diese Verschnarchtheit? Warum so viel Historisches und Unentschiedenes, so viel Impressionismus und Selbstbeschau?”, fragte jungen damals und folgerte forsch: “Wenn der Literatur nutzt, was den Schriftstellern schadet, dann, liebe Förderfunktionäre und kuchenverdrückendes Literaturhauspublikum: Schadet den Schriftstellern! Hungert sie aus! Macht sie wütend! Was entsteht, wenn unsere brillantesten Autoren auf ihre Worte zurückgeworfen sind, wenn sie Sätze, Bücher, Plots als Waffen im Diskurskrieg begreifen, wenn sie gegen die kaum weniger gewordenen Verlogenheiten des heutigen Staates anschreiben, ungebunden, ungesichert, im Geist des Partisanen – was dann entsteht, das ist es, was wir lesen wollen und was das Zeug hat, die Zeiten zu überdauern.”

    wenn martin linzer in seiner betrachtung von dramatikfördermodellen nun ins selbe pauschalpolemische horn stößt, sollte das widerspruch oder zumindest ein paar nachfragen auslösen:

    - wie paradiesisch sind denn heutzutage die autorenverhältnisse im subventionierten theatersystem wirklich?
    - erzeugt armut die besseren stücke? bzw. wem nützt die von verschiedenen interessierten seiten eingeforderte reduzierung von autorenhonoraren, stipendien und preisgeldern?
    - oder auch: was ist eigentlich davon zu halten, dass festangestellte redakteure freien autoren unter hinweis auf erforderliches “partisanentum” und “berufung” das recht auf ordentliche bezahlung absprechen?

    (s.a. die diskussion im litblog der autorin jagoda marinic: strawberryfields)

  2. Rolf Kemnitzer

    Angesprochen auf seine Polemik sagte Martin Linzer, er habe “nur einen Stein ins Wasser werfen wollen, um ein paar Wellen zu machen”. Schade nur, daß seine Provokationen aus Allgemeinplätzen bestehen und daß er die Initiative der Battle-Autoren offenbar gar nicht verstanden hat (wir fordern z.B. keineswegs generell mehr Geld für Autoren und stehen der zeitgenössischen Dramatik auch kritisch gegenüber). Mit einer Veröffentlichung der Antwort wurden die Battle-Autoren von der Theater-der-Zeit-Redaktion zunächst hingehalten. Nun soll sie im Dezember-Heft erscheinen, gegen den Willen der Autoren gekürzt und verändert. Ungekürzt darf sie auch erst Anfang Dezember im Dramablog erscheinen, sonst hätte Theater der Zeit einen Abdruck verweigert. Die Redaktion weigerte sich auch, am Ende der Gegendarstellung auf die vollständige Version des Textes im Dramablog hinzuweisen.

  3. fk

    lieber rolf, was ich nicht verstehe: warum stimmt ihr einer veröffentlichung zu, wenn ihr mit den kürzungen nicht einverstanden seid? hier ist jedenfalls platz für unzensierte kommentare zum thema.

  4. Rolf Kemnitzer

    Stimmt schon, wir waren kurz davor, unseren Text der “Absegnung durch den Redaktionsvorsitz” zu entziehen. Die Kürzungen betreffen vor allem einige Bemerkungen zum grandiosen Kritikerbetrieb usw., die konkrete Darstellung der Irrtümer von Herrn Linzer dagegen fand den Segen der Herrschaften. Wir haben beschlossen, dass wir damit leben können. Und vielleicht hätte ein Abdruck unserer weiter reichenden Kritik ja tatsächlich dem Selbstbewußtsein des einen oder anderen geschadet.

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