54. und letzter Wurf: Trauerspiel im Vogtland

Sommerpausenspielzeitcheck mit Pfeil und Bühnenjahrbuch / Stichprobe 7

(fk) Blind trudelt der letzte Pfeil – ins herbstliche Vogtland. Das obersächsische Plauen ist mit dem benachbarten Zwickau über die “Gemeinnützige GmbH Theater Plauen-Zwickau” zweckverbunden. Plauen hat noch etwa 68.000 Einwohner, Zwickau knapp über 100.000. Beide Städte verfügen über Theaterschmuckkästchen. In Plauen strotzt ein klassizistischer Theaterbau mit Säulenportal (467 Plätze), in Zwickau leuchtet dem Besucher der weißrote Giebel des Gewandhauses (mit 400 Plätzen) entgegen, einer der ungewöhnlichsten Theaterbauten der Republik. Die Homepage des Verbundtheaters (www.theater-plauen-zwickau.de) befindet sich gerade im Umbau, dort scheinen die Uhren auch zu Spielzeitbeginn anders – hoffentlich leiser – zu ticken. Auch ein Spielzeitheft liegt uns nicht vor, so daß wir hier nur die drei auf der Startseite angekündigten Premieren anführen können, die aber vielleicht auch schon ahnen lassen, wo der Theaterhase lang läuft in Plauen-Zwickau):

- Kabale und Liebe / Schiller
- Hänsel und Gretel / nach Grimm
- Der Gott des Gemetzels / Reza

Bürgerliches Trauerspiel / Märchenbearbeitung / französisches Konversationsstück – was will man eigentlich mehr vom deutschen Stadttheater? – Punkt. Der Sommer, wenn da überhaupt mal einer war, ist längst vorbei. Der Feldversuch mit Deutschlandkarte und Wurfpfeil wird hiermit abgeschlossen. Sieben zufällig ausgewählte Spielpläne wurden beiläufig begutachtet. Plauen-Zwickau lassen wir ausserhalb der Wertung. Zeit für statistische Auswertungen:

- Das LTT Tübingen ist mit einem Spielplananteil neuer internationaler Stücke von 50% Spitzenreiter der untersuchten Theater. Schlusslicht bildet das Theater Lüneburg mit bemerkenswerten 0%. Aachen, Bonn, Halberstadt-Quedlinburg und Regensburg bilden mit Werten zwischen 20% und 28% das etwas müde Mittelfeld.

- 85,7% der untersuchten Theater bieten auf ihren Webseiten einen Spielzeitüberblick – leider aber oft ohne Spielstättenangaben. Überwiegend handelt es sich bei Inszenierungen neuer Dramatik noch immer um Produktionen in kleinen Spielstätten, soviel lässt sich feststellen. Auch das ist keine Neuigkeit.

- mindestens 124,5% der inspizierten Theater haben ein Stück von Frau Reza im Repertoire bzw. wird dort damit geliebäugelt. Wir beglückwünschen an dieser Stelle die ansonsten sehr zurückhaltend auftretende Grande Dame des Gegenwartstheaters noch einmal ausdrücklich zu diesem sagenhaften Spielplandurchdringungsgrad. “Der Gott des Gemetzels” bringt selbst kinderlose und zähneknirschende Menschen zum Schmunzeln. Ehre, wem Ehre gebührt.

Fazit: Mit einer ermutigenden Ausnahme: same procedure as every year. In der nächsten Spielzeit wird sicher alles ganz anders.

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